EN 15804

Die EN 15804 definiert die grundlegenden Regeln (Kern-PCR) für Umweltproduktdeklarationen (EPDs) von Bauprodukten.
Die aktuell gültige Fassung ist die EN 15804:2012+A2:2019 + AC:2021, in Deutschland veröffentlicht als
DIN EN 15804:2022-03 (DIN Media).
SURAP unterstützt sowohl EN 15804+A1 als auch EN 15804+A2.

Lebenszyklusmodule

  • A1–A3 Herstellungsphase – Rohstoffbereitstellung (A1), Transport zum Werk (A2), Herstellung (A3)
  • A4–A5 Errichtungsphase – Transport zur Baustelle (A4), Einbau/Bauprozess (A5)
  • B1–B7 Nutzungsphase – Nutzung (B1), Instandhaltung (B2), Reparatur (B3), Ersatz (B4), Umbau/Erneuerung (B5), betrieblicher Energieeinsatz (B6), betrieblicher Wassereinsatz (B7)
  • C1–C4 Entsorgungsphase – Rückbau/Abriss (C1), Transport (C2), Abfallbehandlung (C3), Beseitigung (C4)
  • D Gutschriften und Lasten außerhalb der Systemgrenze – Wiederverwendungs-, Rückgewinnungs- und Recyclingpotenzial

Nach EN 15804+A2 sind für die meisten Bauprodukte mindestens die Module A1–A3, C1–C4 und D zu deklarieren; unter +A1 waren A1–A3 ausreichend.

Indikatoren der Wirkungsabschätzung

EN 15804+A1 (7 Kernindikatoren):

  • Treibhauspotenzial (GWP), kg CO2-Äq.
  • Ozonabbaupotenzial (ODP), kg CFC-11-Äq.
  • Versauerungspotenzial (AP), kg SO2-Äq.
  • Eutrophierungspotenzial (EP), kg PO43--Äq.
  • Bildungspotenzial für troposphärisches Ozon (POCP), kg Ethen-Äq.
  • Abiotischer Ressourcenverbrauch – Elemente (ADPE), kg Sb-Äq.
  • Abiotischer Ressourcenverbrauch – fossil (ADPF), MJ

EN 15804+A2 (13 Kernindikatoren):

  • Treibhauspotenzial gesamt, fossil, biogen sowie Landnutzung/Landnutzungsänderung (GWP-total, GWP-fossil, GWP-biogenic, GWP-luluc), kg CO2-Äq.
  • Ozonabbaupotenzial (ODP), kg CFC-11-Äq.
  • Versauerungspotenzial (AP), mol H+-Äq.
  • Eutrophierung Süßwasser (EP-freshwater), kg P-Äq.; Meerwasser (EP-marine), kg N-Äq.; terrestrisch (EP-terrestrial), mol N-Äq.
  • Bildung troposphärischen Ozons (POCP), kg NMVOC-Äq.
  • Abiotischer Ressourcenverbrauch – Mineralien und Metalle (ADP-minerals&metals), kg Sb-Äq.
  • Abiotischer Ressourcenverbrauch – fossil (ADP-fossil), MJ
  • Wasserknappheit (WDP), m³ Welt-Äq. entzogen

Zusätzlich sieht +A2 optionale Indikatoren vor, u. a. Feinstaub (PM), ionisierende Strahlung (IRP), Ökotoxizität Süßwasser (ETP-fw), Humantoxizität (HTP-c, HTP-nc) und Bodenqualität (SQP).

Weitere Indikatoren (A1 und A2)

  • Ressourceneinsatz: erneuerbare und nicht erneuerbare Primärenergie, jeweils energetisch und stofflich genutzt (PERE, PERM, PERT, PENRE, PENRM, PENRT), Sekundärstoffe (SM), erneuerbare und nicht erneuerbare Sekundärbrennstoffe (RSF, NRSF), Nettoeinsatz von Süßwasser (FW)
  • Abfallkategorien: gefährlicher, nicht gefährlicher und radioaktiver Abfall (HWD, NHWD, RWD)
  • Output-Flüsse: Komponenten zur Wiederverwendung (CRU), Stoffe zum Recycling (MFR), Stoffe zur Energierückgewinnung (MER), exportierte elektrische und thermische Energie (EEE, EET)

ÖKOBAUDAT

Die maßgebliche Datengrundlage für Ökobilanzen von Gebäuden in Deutschland ist die
ÖKOBAUDAT.
Die frei zugängliche Datenbank wird vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) bereitgestellt und vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) betrieben.
Sie enthält EN-15804-konforme Datensätze zu Baumaterialien, Bau-, Transport-, Energie- und Entsorgungsprozessen – sowohl generische Daten als auch herstellerspezifische Daten aus verifizierten EPDs. Neuere Datensätze liegen nach EN 15804+A2 vor.

Bewertungs- und Zertifizierungssysteme wie DGNB, BNB, QNG oder LEED setzen EN-15804-konforme Daten für die Ökobilanzierung voraus. Für BNB und QNG ist die ÖKOBAUDAT als Datengrundlage verbindlich vorgegeben, die DGNB greift ebenfalls darauf zurück. Informationen zu den jeweiligen Datenanforderungen und Bewertungsgrundlagen finden sich in den aktuellen Dokumentationen der entsprechenden Zertifizierungsstellen.

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